Was geschah?
Am 26. April 1986 sollte im Block 4 des KKW Tschernobyl während einer planmäßigen Revision ein Turbinenauslaufversuch durchgeführt werden. Ein Lastverteiler unterbrach die Leistungsabsenkung für 12 Stunden, wodurch sich Xenon (ein „Neutronengift") maximal anreicherte. Die Reaktorleistung fiel auf unter 5 %. Statt den Versuch abzubrechen, setzte der leitende Ingenieur Djatlow das Personal massiv unter Druck weiterzumachen. Es wurden Sicherheitssysteme deaktiviert und zu viele Regelstäbe gezogen. Der Reaktor wurde prompt kritisch, es kam zu zwei Explosionen, der Graphitkern begann zu brennen, und Radioaktivität wurde weltweit verbreitet.
Warum konnte es passieren?
Der RBMK-Reaktor stammte ursprünglich aus der militärischen Plutoniumproduktion und hatte gravierende Konstruktionsmängel: keinen negativen Reaktivitätskoeffizienten (er steigerte bei Kühlmittelverlust seine Leistung), kein Containment, und der riesige Graphitblock war brandgefährlich. Hinzu kam eine fehlende Sicherheitskultur im sowjetischen System - Produktionsdruck ging vor Sicherheit, Kritik war kaum möglich.
Die Folgen:
Mindestens 60 Todesopfer laut UN-Bericht, ein starker Anstieg von Schilddrüsenkrebs bei Kindern, bis zu 350.000 umgesiedelte Menschen. Die 30-km-Sperrzone um das Werk wurde eingerichtet. Der Block wurde eingesargt, ein neuer Sarkophag („New Safe Confinement") errichtet. Politisch leitete Tschernobyl das Ende der Kernenergieeuphorie in vielen Ländern ein.
Heutige Perspektive des Autors:
Die Sperrzone hat sich zu einem florierenden Naturschutzgebiet entwickelt - Tierbestände wachsen, was laut Autor darauf hindeuten könnte, dass die Wirkung geringer Strahlendosen überschätzt wird. Der Autor plädiert dafür, Energietechnologien nicht ideologisch, sondern nach Nutzen und Risiken zu bewerten, und betont den weltweiten Energiebedarf von bald neun Milliarden Menschen. Tschernobyl sei nicht nur ein GAU der Nukleartechnik, sondern ein Rückschlag für die gesamte Menschheit gewesen.